»Du teilst es aus mit deinen Händen«
(GL 209)

Wor­te: Lothar Zenet­ti, Musik: Kurt Grahl

 

Lied­por­trait von Mein­rad Walter 

Nach der Kom­mu­ni­on­spen­dung kann in der Mess­fei­er eine Stil­le gehal­ten wer­den oder es erklingt Orgel- bzw. Instru­men­tal­mu­sik. Oft­mals wird auch ein „all­ge­mei­nes Dank­lied“ gesun­gen. Die­ser neue Bei­trag von Lothar Zenet­ti und Kurt Grahl eig­net sich als Begleit­ge­sang zur Kom­mu­ni­on oder als Dank­lied, in dem Jesu Hin­ga­be für uns nach­klin­gen kann.

Die Wor­te sind schlicht. Die Musik hüllt sie in einen Klang­leib, qua­si par­lan­do. Die mehr­fa­chen Takt­wech­sel sind kein Pro­blem, wenn der Gesang sich vom natür­li­chen Duk­tus der Wor­te lei­ten lässt. Gleich der Beginn ist wich­tig. „Du teilst es aus …“ macht die­ses Lied zu einem Gebet. Wir sind mit­ten in der Zwie­spra­che mit dem Geber aller Gaben. Außer­dem wird von Anfang an das Miss­ver­ständ­nis abge­wehrt, dass wir das alles tun. Nein, der Herr ist der Han­deln­de, zu dem wir „Du“ sagen dür­fen. Er lädt zu sei­nem Gast­mahl ein, damals am Grün­don­ners­tag wie heu­te.

Im Mit­tel­punkt steht Jesus: was er sagt und was er tut. Die­sen bei­den Aspek­ten ent­spricht der Auf­bau die­ses Lie­des: Die rah­men­den Stro­phen „Du teilst es aus …“ (1) und „Du schenkst uns ein …“ (4) beschrei­ben Jesu Han­deln. Die mitt­le­ren Stro­phen „Das ist mein Leib …“ (2) und „Das ist mein Blut“ (3) erin­nern an sei­ne Wor­te, die soge­nann­ten „Ein­set­zungs­wor­te“. Damit greift das Lied eine theo­lo­gi­sche Erkennt­nis auf: Jesu Wor­te und sein Han­deln für die ande­ren, bis­wei­len auch als „Pro-Exis­tenz“ bezeich­net, bil­den eine unver­brüch­li­che Ein­heit. Und wer davon singt, was Jesus sagt und was er tut, der erfährt, wer er ist.

Die For­mu­lie­rung „das immer neue Brot“ steckt einen wei­ten Hori­zont ab. Zunächst in Rich­tung des Vol­kes Isra­el und sei­ner Erfah­run­gen mit dem „Man­na“ in der Wüs­te. Zugleich aber in die Rich­tung von hier und heu­te, weil wir am Gesche­hen des Abend­mahls, das im Zen­trum steht, teil­ha­ben. Die Auf­for­de­rung „Tut dies zu mei­nem Gedächt­nis“ klingt in der zwei­ten Stro­phe nach: „… damit ihr immer an mich denkt“.

Noch wei­te­re wich­ti­ge Bibel­stel­len klin­gen an: in der drit­ten Stro­phe etwa das letz­te Wort Jesu am Kreuz „Es ist voll­bracht.“; in der vier­ten noch ein ande­res Jesus­wort aus dem Johan­nes­evan­ge­li­um, näm­lich Jesu Ver­hei­ßung, dass sei­ne Jün­ger eins sind im Glau­ben (Joh 17,11). Auch wenn die Bit­te „und lass uns dei­ne Zeu­gen sein“ immer noch ver­dun­kelt ist durch die kon­fes­sio­nel­le Spal­tung.

Die drit­te Stro­phe ist ins­ge­samt eine Art Echo des Jesus­wor­tes vom „Blut des Neu­en Bun­des“. Die vier­te bringt zwei­mal zwei Din­ge zusam­men. In der For­mu­lie­rung „das Blut der Trau­ben“ klingt die Wand­lung an. Der „bit­ter­sü­ße Wein“ wie­der­um deu­tet die Pas­si­on Jesu als bit­ters­te Erfah­rung, die jedoch in geist­li­cher Deu­tung und aus öster­li­cher Per­spek­ti­ve süße Früch­te trägt. Sol­che For­mu­lie­run­gen wie „bit­ter­süß“ begeg­nen häu­fig in mys­ti­schen Tex­ten; „recht bit­ter und doch süße“ ist das Lei­den des Herrn in der Arie „Ich will bei mei­nem Jesu wachen“ in Johann Sebas­ti­an Bachs berühm­ter Mat­thä­us­pas­si­on (1727).

Musi­ka­lisch fällt auf, dass nur die ers­te der ins­ge­samt vier Zei­len mit einem Ton beginnt, näm­lich dem Grund­ton c. Alle wei­te­ren Zei­len set­zen mit einer Ach­tel­pau­se ein, auf die der Ton folgt, der zuvor bereits erreicht war. So ent­steht der Ein­druck gro­ßer Geschlos­sen­heit; jede Stro­phe besteht näm­lich nur aus einem Satz. Die Melo­die ist eine Art schlich­ter Rezi­ta­ti­on, schritt­wei­se von Ton zu Ton. Nur einen ein­zi­gen Quint­sprung gibt es und zwar am Ende der drit­ten Zei­le. Ins­ge­samt ist die­ses Lied eine gesun­ge­ne Erin­ne­rung an das, was sich in der Fei­er der Eucha­ris­tie voll­zieht. Der eher intro­ver­tier­te Cha­rak­ter der Musik unter­stützt dies und fügt sich beson­ders gut an das Ende der Kom­mu­ni­on­spen­dung.

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