244Liturgisches Jahrbuch 1/2025

Inhalt der Ausgabe 1/2025

 

„… und gib Frie­den in unse­ren Tagen.“

Ulri­ke Wagner-Rau
Frie­dens­ge­be­te im sozia­len und poli­ti­schen Kontext

Yau­he­ni­ya Danilovich
»In Frie­den lasst uns beten zum Herrn«. Frie­dens­ge­bet in der Orthodoxie

Lisa Kühn
»For almost three years now, the word peace has taken on a spe­cial mea­ning for all of us …«. Gebet um Frie­den in der Gegenwart

Manu­el Uder
»… das leib­li­che und geist­li­che Heil der Mut­ter so wohl als des Kin­des alle­zeit zu beför­dern.« Die Rol­le der Heb­am­me bei der Tauf­spen­dung am Bei­spiel des alten Erz­bis­tums Trier

 


 

Editorial 1/2025: „… UND GIB FRIEDEN IN UNSEREN TAGEN.“

 

Wir leben in einer Welt der Dirup­ti­on, der zuneh­men­den Pola­ri­sie­run­gen und der immer bru­ta­ler in Erschei­nung tre­ten­den Gewalt – und das in jeder Hin­sicht: poli­tisch, wirt­schaft­lich, öko­lo­gisch und kli­ma­to­lo­gisch. Die ver­meint­li­chen Sicher­hei­ten, die in Euro­pa in den Jahr­zehn­ten nach dem Zwei­ten Welt­krieg und nach dem Zusam­men­bruch des sowje­ti­schen Ein­fluss­be­reichs gewach­sen sind, haben sich wie in Luft auf­ge­löst. Der Über­fall Russ­lands auf die Ukrai­ne seit dem 24. Febru­ar 2022 hat unmiss­ver­ständ­lich klar­ge­macht, dass vor der »eige­nen Haus­tü­re« wie­der krie­ge­ri­sche Kon­flik­te und gewalt­sa­me Über­grif­fe auf sou­ve­rä­ne Staa­ten nicht nur denk­bar sind, son­dern Wirk­lich­keit wer­den. Nicht weni­ger ver­stö­rend sind die Vor­gän­ge im Nahen Osten, der ter­ro­ris­ti­sche Anschlag der Hamas auf die israe­li­sche Bevöl­ke­rung und auf den Staat Isra­el und des­sen Reak­ti­on mit dem Ziel die Fein­de Isra­els zu ver­nich­ten. Uner­mess­li­ches mensch­li­ches Leid, Blut­ver­gie­ßen auf allen Sei­ten, zahl­lo­se Opfer in der Zivilbevölkerung.

All die­se Ent­wick­lun­gen kön­nen nicht aus­ge­blen­det wer­den, wenn Men­schen vor Gott ste­hen und ange­sichts von Krieg, Kata­stro­phen und den Erfah­run­gen von Not, Leid und Tod zu ihm rufen. Got­tes­dienst weist zwar über die­se Welt hin­aus, aber er wird in die­ser Welt gefei­ert. Auch wenn sich christ­li­cher Ein­satz für den Frie­den kei­nes­wegs auf Lit­ur­gie und Gebet beschrän­ken kann, kommt dem Gebet um Frie­den in die­ser Zeit doch eine beson­de­re Bedeu­tung zu.1 Dem will das vor­lie­gen­de Heft Rech­nung tra­gen, wenn es aus drei ver­schie­de­nen Zugän­gen Wege zu die­sem The­ma auf­weist. Zunächst gibt Ulri­ke Wag­ner-Rau (Mar­burg) einen Über­blick über For­men und Gestal­ten des Frie­dens­ge­be­tes aus evan­ge­li­scher Per­spek­ti­ve. Hier haben sich schon seit den 1960er Jah­ren sol­che Gebe­te eta­bliert und bis zur Frie­dens­de­ka­de 2024 der Evan­ge­li­schen Kir­che Deutsch­lands Tra­di­tio­nen her­aus­ge­bil­det. Wag­ner-Rau stellt eini­ge Bei­spie­le vor und fragt nach den jewei­li­gen Kon­tex­ten die­ser Friedensgebete.

Ange­sichts des krie­ge­ri­schen Über­falls Russ­land auf die Ukrai­ne liegt es nahe, die ortho­do­xe Tra­di­ti­on eigens in den Blick zu neh­men. Yau­he­nia Dani­l­o­vich (Müns­ter) gibt einen instruk­ti­ven Ein­blick in Geschich­te und vor allem in die heu­ti­gen For­men des Frie­dens­ge­be­tes, wobei sie beson­ders das Bei­spiel der ortho­do­xen Kir­che in Bela­rus vorstellt.

Die poli­ti­schen Ent­wick­lun­gen der letz­ten drei Jah­re haben auch hier­zu­lan­de Frie­dens­lit­ur­gien ent­ste­hen las­sen, die in öku­me­ni­scher bzw. inter­re­li­giö­ser Initia­ti­ve getra­gen sind und zum Teil auf bekann­te For­men wie die Aus­sendungs­fei­er des Frie­dens­lichts zurück­grei­fen. Lisa Kühn (Chur) stellt drei Bei­spie­le vor und fragt nach dem Poten­zi­al, das dem Gebet um den Frie­den innewohnt.

Außer­halb der Schwer­punkt­the­mas berei­chert schließ­lich ein lit­ur­gie- und pas­to­ral­ge­schicht­li­cher Bei­trag das Heft. Manu­el Uder (Trier) greift einen Aspekt aus sei­ner kürz­lich ver­öf­fent­lich­ten Dis­ser­ta­ti­on über die Fei­er der Tau­fe im alten Erz­bis­tum Trier auf. Dabei beleuch­tet er die Rol­le der Heb­am­men bei der Tauf­spen­dung in der Frü­hen Neu­zeit und kann deut­lich machen, wel­che pas­to­ra­len wie gesell­schaft­li­chen Auf­ga­ben die­sen Frau­en zukamen.

1 Auf das Gebet in Zei­ten von Ver­wir­rung und Krieg hat erst kürz­lich hin­ge­wie­sen Mar­tin Klö­cke­ner, „Erlö­se uns, Herr, … und gib Frie­den in unse­ren Tagen“. Der Embo­lis­mus des Vater­un­sers als Gebet in Zei­ten von Ver­wir­rung und Krieg, in: Grenz­gän­ge. Bei­trä­ge für eine Lit­ur­gie­wis­sen­schaft zwi­schen aka­de­mi­schem Dis­kurs, plu­ra­ler Kul­tur und kirch­li­chem Leben. Fest­schrift für Bene­dikt Kra­ne­mann, hg. v. Ste­fan Bön­tert / Chris­to­pher Tschorn / Ste­phan Win­ter, Müns­ter 2025, 201–210.

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