
Liturgisches Jahrbuch 1/2026
Inhalt der Ausgabe 4/2025
Clemens Leonhard
Eucharistische Wunder
Andreas Odenthal
Cum corpore Christi deportato. Spätmittelalterliche Prozessionen zu Fronleichnam aus der Kölner Liturgiegeschichte
Wolfgang Reuter
»Ein einzigartiges Event« – vom Reiz des Eventuellen. Pastoralpsychologische Überlegungen zu neuen Ausrichtungen in Gottesdienst und Pastoral
Marco Benini
Das ambrosianische Messbuch in zweiter Auflage (2024). Einblicke in den Mailänder Ritus und die Änderungen des Messbuchs
Editorial 1/2026: ZU DIESEM HEFT (Auszug)
2025 hat das Liturgische Jahrbuch sich im Doppelheft Nr. 2/3 ausführlich mit dem Prozess der Revision des deutschsprachigen römischen Messbuchs und deren Kontext beschäftigt. U. a. wurde die Auftakttagung dokumentiert; zum andern wurde eine Vielzahl an Stimmen aus verschiedenen konfessionellen Traditionen und Theologien, aus dem deutschsprachigen Raum wie aus anderen Weltgegenden zusammengetragen, die zum einen dieses große Projekt, zum anderen heutige Herausforderungen bei der Übersetzung liturgischer Texte und Themen wie die Rolle von liturgischen Büchern angesichts immer stärker zunehmender Individualisierung, Digitalisierung, etc. grundsätzlicher behandeln.
Spannend ist, dass sich parallel zur Entstehung dieses Doppelheftes unabhängig voneinander Fachkollegen bei der Redaktion gemeldet und vorgeschlagen haben, nochmals ganz andere Facetten aktueller Entwicklungen rund um die Eucharistie zu beleuchten. So ist das vorliegende Heft entstanden, das damit auch die Komplexität der soziokulturellen und kirchlichen Landschaften widerspiegelt, innerhalb derer Liturgie bzw. speziell Eucharistie gefeiert werden.
Der Münsteraner Liturgiewissenschaftler Clemens Leonhard nimmt die letztjährige Heiligsprechung des als Jugendlicher verstorbenen Carlo Acutis (1991–2006) zum Anlass, über eine mögliche Relevanz der Verehrung eucharistischer Wunder für den Glauben nachzudenken. […] Für Leonhard sind es vor allem drei Probleme, die in diesem Zusammenhang zu thematisieren sind: die theologische Kritik an solchen Wundern bis hin zu deren Einstufung als Betrug, die deren Auftreten im Grunde von Beginn an und damit seit dem Mittelalter begleitet und solche Kritik zu einem integralen Bestandteil kirchlicher Tradition gemacht hat; die konsequente Verquickung solcher Wunder mit der Ermordung jüdischer Menschen; schließlich die katholischerseits hinsichtlich des Verständnisses der eucharistischen Gegenwart Christi nach wie vor offiziell gesetzte Transsubstantiationskonzeption, gemäß der ausschließlich Weizenbrot und Traubenwein als Grundlage des entsprechenden Transformationsprozesses dienen und somit Fleisch und/oder Blut nicht Leib und Blut Christi sein können. […]
Um die Gegenwart Jesu Christi in den Elementen von Brot und Wein und deren Verehrung außerhalb der Feier der Eucharistie geht es auch im Beitrag des Bonner Kollegen Andreas Odenthal. Er stellt von der Ankündigung des Erzbistums Köln her, 2029 das 750jährige Jubiläum der »ersten Fronleichnamsprozession der Welt« in der dortigen St. Gereon-Kirche feiern zu wollen, Überlegungen zur Geschichte dieser für das westliche Christentum so prägenden Praxis an. Zentrale Frage ist, was genau sich damals tatsächlich ereignet hat. Odenthal geht dieser Frage anhand entsprechender Quellen der Kölner Liturgiegeschichte sorgfältig nach. […]
Bereits die ersten beiden Beiträge lassen anklingen, dass deren primär liturgiegeschichtliche Ausführungen auch bedeutsam sind für Verständnis und Einordnung bestimmter Glaubensüberzeugungen, Frömmigkeits- und liturgische Praktiken der Gegenwart. Diese fokussiert der Bonner Pastoralpsychologe Wolfgang Reuter ausdrücklich, wenn er danach fragt, ob und inwieweit eine Eventisierung der Liturgie bzw. speziell der Eucharistie, die er anhand größerer Glaubenskongresse u. ä. beobachtet, dem Auftrag und dem Leben der Kirche angemessen sowie förderlich ist. Reuter lässt dabei Potentiale von Eventisierungsprozessen innerhalb heutiger soziokultureller Kontexte keineswegs unerwähnt, hebt aber vor allem hervor, dass eine starke Engführung in diesem Sinne angesichts bestimmter theologisch-anthropologischer Grundoptionen hochproblematisch ist. […]
Das Heft beschließt ein kleinerer Beitrag des Trierer Liturgiewissenschaftlers Marco Benini, der den Bogen zurück zum eingangs erwähnten Doppelheft schlägt […]: Benini macht darin auf eine leider oft übersehene Vielfalt auch innerhalb der westlichen liturgischen Tradition aufmerksam, indem er das Erscheinen der zweiten Auflage des Messbuches für den ambrosianischen Ritus thematisiert, eines liturgischen Buches, das bereits seit dem Advent 2024 verwendet wird. Damit liegt für diesen altehrwürdigen Strang westlicher Liturgie knapp fünfzig Jahre nach dessen erster Auflage 1976, kleinerer Ergänzungsarbeiten sowie der Zusammenführung der ursprünglich zwei Bände ein interessantes Missale vor, dessen Ordo missae der Aufsatz vorstellt; ebenso werden einige Auffälligkeiten gegenüber der ersten Auflage und ausgewählte Spezifika der Mailänder Liturgie thematisiert.


