284Zeitschrift Gottesdienst
Ausgabe 10/2026

Inhalt

 

  • Leit­ar­ti­kel: Braut­leu­te glau­ben anders. Gut so! Zur Theo­lo­gie der Hoch­zeit von Brautpaaren
  • Dienst am Wort. Zur Bit­te der deut­schen Bischö­fe um die Lai­en­pre­digt in der Messfeier
  • Offe­ne Kir­che, Andacht oder Wort-Got­tes-Fei­er? Grund­la­gen zur Gestal­tung von Frie­dens­ge­be­ten und -gottesdiensten
  • Für­bit­ten­vor­schlä­ge für den 11. bis 14. Sonn­tag im Jah­res­kreis (A)
  • „Selig alle, die bei ihm sich ber­gen!“ Die Revi­si­on des Psal­ters von 2016
  • Papst Leo XIV.: Ein­heit im Sakrament

 

Editorial 10/2026

 

Lie­be Lese­rin­nen und Leser,

als Papst Fran­zis­kus am Grün­don­ners­tag Gefan­ge­nen, Migran­ten, Frau­en die Füße wusch, wur­de unmit­tel­bar deut­lich: Kir­che hat ihren Ort bei den Ver­wund­ba­ren und Aus­ge­grenz­ten. Ent­spre­chend groß war nun die Ent­täu­schung man­cher, als Papst Leo XIV. in die­sem Jahr zur tra­di­tio­nel­len Pra­xis zurück­kehr­te und zwölf Pries­tern die Füße wusch. Schnell fiel das Wort Kle­ri­ka­lis­mus.
Doch so ein­fach ist es nicht. Denn die­ser Ritus ist sei­nem Wesen nach gera­de kei­ne Ehrung. Er kehrt Rang­ord­nun­gen um. Wer ande­ren die Füße wäscht, zeigt, dass Grö­ße in der Kir­che nur als Dienst denk­bar ist: Das geist­li­che Amt bedeu­tet nicht Sta­tus­er­hö­hung, son­dern Hin­ga­be.
Die Anti­pho­nen zur Fuß­wa­schung machen das deut­lich: „Ein neu­es Gebot gebe ich euch: ‚Liebt ein­an­der!‘“ Und: „Dar­an wer­den alle erken­nen, dass ihr mei­ne Jün­ger seid, wenn ihr Lie­be habt zuein­an­der.“ Ent­schei­dend ist also weni­ger, wer für die Fuß­wa­schung aus­ge­wählt wur­de, son­dern dass die Hal­tung Chris­ti sicht­bar wird: Demut, Nähe, Dienst.
Frei­lich sen­den Zei­chen Bot­schaf­ten. Fran­zis­kus hat zu Recht die sozia­le Sei­te die­ses Ritus stark betont. Eine Kir­che, die nur ihre Amts­trä­ger im Blick hat, ver­liert Glaub­wür­dig­keit. Eine Kir­che aber, die gera­de ihre Amts­trä­ger unter das Zei­chen des Die­nens stellt, kann gewin­nen. Nicht jede Fuß­wa­schung an Pries­tern ist Kle­ri­ka­lis­mus. Kle­ri­ka­lis­mus beginnt dort, wo das Amt sich rück­sichts­los selbst bedient, statt zu dienen.

Ihr

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