
Zeitschrift Gottesdienst
Ausgabe 4/2026
Inhalt
- Leitartikel: Wer steht am Altar – und warum? Eine Studie zu Herkunft, Motivation und Selbstverständnis der Priesteramtskandidaten und zur Rolle der Liturgie dabei
- Gottesdienstberatung. Bildungs- und Beratungsprogramme in sich verändernder Gemeindekultur
- Segensfeier für Babys. Ein Modell für Familien mit neugeborenen Kindern im ersten Lebensjahr – zur Erprobung für ein neues deutschsprachiges Benediktionale
- Fürbittenvorschläge für das Fest Verkündigung des Herrn bis Ostern – In der Nacht (A)
- Zwischen Innovation und Tradition. Die Stuttgarter Christmette als Fallbeispiel liturgischer und theologischer Spannungen
- Bischof Kohlgraf: Mehr Unterstützung, weniger Verdächtigung
Editorial 4/2026
Liebe Leserinnen und Leser,
es ist schon bemerkenswert, wenn eine Diözese und ein öffentlich-rechtlicher Sender einräumen, dass bei einer Gottesdienstübertragung aus ihrem Verantwortungsbereich durch eine Kunstperformance als Krippendarstellung bei vielen Menschen religiöse Gefühle verletzt worden seien und es, so die Diözese, zu „Abweichungen von der geltenden liturgischen Ordnung“ kam. Die Liturgie sei freier gestaltet worden, „als dies zulässig ist“. Wohl selten hat eine Gottesdienstübertragung so viele kritische Reaktionen hervorgerufen wie die in der ARD übertragene letztjährige Christmette (vgl. den Beitrag auf S. 46–47 in diesem Heft).
Bei allem Verständnis für das Anliegen einer menschennahen Feier frage ich mich: Wie kann es zu einem so eigenmächtigen Umgang mit den vorgesehenen Gebetstexten, der liturgischen Ordnung und der Rollenverteilung kommen, und dies an einer so prominenten Stelle wie der bundesweit übertragenen Christmette?
Die Liturgie bietet an vielen Stellen Auswahlmöglichkeiten und Gestaltungsspielräume, doch ihre Regeln wollen vor Subjektivismus bewahren und Verlässlichkeit bieten, schließlich hat die versammelte (Fernseh-)Gemeinde ein Recht auf eine Feier nach der Ordnung der Kirche.
Die Gottesdienstübertragungen in den öffentlich-rechtlichen Sendern stellen ein anerkanntes Format dar, für dessen inhaltliche Ausgestaltung die Kirche selbst Verantwortung trägt.
Ihr
Marius Linnenborn


