286Zeitschrift Gottesdienst
Ausgabe 9/2026

Inhalt

 

  • Leit­ar­ti­kel: Wel­che Zukunft hat die Lit­ur­gie? Sie ist leben­dig, wo sie das Leben und die Gegen­wart Got­tes mit­ein­an­der in Bezie­hung bringt
  • Tier­seg­nung. Ein Modell für die Seg­nung unse­rer Mit­ge­schöp­fe – zur Erpro­bung für ein neu­es deutsch­spra­chi­ges Bene­dik­tio­na­le
  • Für­bit­ten­vor­schlä­ge für das Hoch­fest Fron­leich­nam (A) und den 10. Sonn­tag im Jah­res­kreis (A)
  • Ein­füh­run­gen zu den Schrift­le­sun­gen: Pfings­ten – Am Tag (A) bis 11. Sonn­tag im Jah­res­kreis (A)
  • Gestalt(ung) und Trans­for­ma­ti­on. Jun­ge Lit­ur­gie­wis­sen­schaft­ler/-innen beschäf­tig­ten sich mit der Fra­ge nach Um- und Wei­ter­nut­zung von Sakralräumen

 

Editorial 9/2026

 

Lie­be Lese­rin­nen und Leser,

wir alle ken­nen das: Der Zele­brant, eine Lek­to­rin oder ein Vor­be­ter schlägt das Buch auf, beginnt zu lesen – und dann pas­siert es: Die Wor­te rau­schen dahin, zu schnell oder zu lei­se, zu flach betont, zu undeut­lich, schwer verständlich.
Den Vor­le­sen­den selbst ist dies meist gar nicht bewusst, denn der Text liegt ihnen ja vor Augen, der Sinn scheint selbst­ver­ständ­lich. Doch wer den Text in Hän­den hält, hat immer einen Wis­sens- und Ver­ständ­nis­vor­sprung. Die Gemein­de dage­gen hat nur den einen Moment des Hörens; kei­ne zwei­te Chan­ce, kein Zurück­blät­tern, kei­ne Fuß­no­te. Sie ist dar­auf ange­wie­sen, dass nicht nur abge­le­sen, son­dern gut gespro­chen wird.
Es ist daher kein Zei­chen man­geln­der Pro­fes­sio­na­li­tät, wenn man Tex­te ein­übt – sogar sol­che, die man bereits vie­le Jah­re oder Jahr­zehn­te „durch­ge­be­tet“ hat. Im Gegen­teil: Wer Lit­ur­gie fei­ert, dient eben nicht nur mit dem Her­zen, son­dern auch mit Stim­me, Arti­ku­la­ti­on, Atem. Das braucht neben Auf­merk­sam­keit auch ein ent­spre­chen­des Bewusst­sein: Wie klingt die­ser Satz? Wo braucht es eine Pau­se? Wo braucht es viel­leicht mehr, wo weni­ger Dyna­mik? Es wäre daher hilf­reich, wenn sich alle – ob Pries­ter, Lek­to­rin oder Vor­be­ter – gele­gent­lich ehr­lich fra­gen wür­den: Ist das, was ich tue, wirk­lich wohl­tu­end für die Zuhö­ren­den? Oder ist es nur bequem für mich, weil es sich ein­ge­spielt hat?
Es geht dabei nicht um Per­fek­ti­on, son­dern um Ver­ant­wor­tung. Wor­te sol­len die Zuhö­ren­den trös­ten, stär­ken, öff­nen. Aber dafür müs­sen sie zuerst ein­mal ankommen.

Ihr

DEUTSCHES LITURGISCHES INSTITUT
Weberbach 72 a, D-54290 Trier, Telefon: +49-651-94808-0
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