
Zeitschrift Gottesdienst
Ausgabe 9/2026
Inhalt
- Leitartikel: Welche Zukunft hat die Liturgie? Sie ist lebendig, wo sie das Leben und die Gegenwart Gottes miteinander in Beziehung bringt
- Tiersegnung. Ein Modell für die Segnung unserer Mitgeschöpfe – zur Erprobung für ein neues deutschsprachiges Benediktionale
- Fürbittenvorschläge für das Hochfest Fronleichnam (A) und den 10. Sonntag im Jahreskreis (A)
- Einführungen zu den Schriftlesungen: Pfingsten – Am Tag (A) bis 11. Sonntag im Jahreskreis (A)
- Gestalt(ung) und Transformation. Junge Liturgiewissenschaftler/-innen beschäftigten sich mit der Frage nach Um- und Weiternutzung von Sakralräumen
Editorial 9/2026
Liebe Leserinnen und Leser,
wir alle kennen das: Der Zelebrant, eine Lektorin oder ein Vorbeter schlägt das Buch auf, beginnt zu lesen – und dann passiert es: Die Worte rauschen dahin, zu schnell oder zu leise, zu flach betont, zu undeutlich, schwer verständlich.
Den Vorlesenden selbst ist dies meist gar nicht bewusst, denn der Text liegt ihnen ja vor Augen, der Sinn scheint selbstverständlich. Doch wer den Text in Händen hält, hat immer einen Wissens- und Verständnisvorsprung. Die Gemeinde dagegen hat nur den einen Moment des Hörens; keine zweite Chance, kein Zurückblättern, keine Fußnote. Sie ist darauf angewiesen, dass nicht nur abgelesen, sondern gut gesprochen wird.
Es ist daher kein Zeichen mangelnder Professionalität, wenn man Texte einübt – sogar solche, die man bereits viele Jahre oder Jahrzehnte „durchgebetet“ hat. Im Gegenteil: Wer Liturgie feiert, dient eben nicht nur mit dem Herzen, sondern auch mit Stimme, Artikulation, Atem. Das braucht neben Aufmerksamkeit auch ein entsprechendes Bewusstsein: Wie klingt dieser Satz? Wo braucht es eine Pause? Wo braucht es vielleicht mehr, wo weniger Dynamik? Es wäre daher hilfreich, wenn sich alle – ob Priester, Lektorin oder Vorbeter – gelegentlich ehrlich fragen würden: Ist das, was ich tue, wirklich wohltuend für die Zuhörenden? Oder ist es nur bequem für mich, weil es sich eingespielt hat?
Es geht dabei nicht um Perfektion, sondern um Verantwortung. Worte sollen die Zuhörenden trösten, stärken, öffnen. Aber dafür müssen sie zuerst einmal ankommen.
Ihr



