Ist am 24. März 2019 Ostern? Und wenn nicht, warum?

Para­dox: Die Nacht wird hell wie der Tag

Pünkt­lich­keit, Zuver­läs­sig­keit – das erwar­ten wir nicht nur bei Bus und Bahn. Auch wer bei einer Ver­ab­re­dung all­zu lan­ge war­ten muss, wird zumin­dest unge­dul­dig.

Im Urlaub lebt man gern ein­mal nur so in den Tag hin­ein. Doch schät­zen vie­le dann auch wie­der eine geord­ne­te Zeit, die über­schau­bar ist. Ter­mi­ne bestim­men unse­ren All­tag. Und wir kön­nen unse­ren All­tag vom Sonn­tag her bestim­men. Im per­sön­li­chen Leben sind es viel­leicht Geburts­ta­ge, Namens­ta­ge oder Jubi­lä­en, die den All­tag unter­bre­chen. Im Kir­chen­jahr gehen wir in die­sen Tagen auf Ostern zu – auf das Fest des Lebens, das selbst den Tod für immer unter­bricht.

Es gibt den Brauch, am Beginn des Jah­res im Got­tes­dienst am Hoch­fest der Erschei­nung des Herrn die Fes­te des Kir­chen­jah­res anzu­kün­di­gen, die sich nach dem Mond­ka­len­der rich­ten und somit in unse­rem Son­nen­jahr »beweg­lich« sind. Im Jahr 2019 hieß es: »So kün­di­gen wir euch als Ers­tes das Fest aller Fes­te an, den Oster­sonn­tag, am ein­und­zwan­zigs­ten April die­ses Jah­res.« Chris­tus, die neue Son­ne, ist seit der Epi­pha­nie im Auf­ge­hen – auf Ostern hin. Des­halb wird die­se Ver­kün­di­gung seit alters her im »Exsul­tet-Ton« gesun­gen, in dem in der Oster­nacht das Lob der Oster­ker­ze erklingt.

Die­se Fes­t­an­kün­di­gung geht auf das 4. Jahr­hun­dert zurück, als das ers­te Kon­zil von Nizäa 325 für das gan­ze Römi­sche Reich einen ein­heit­li­chen Oster­ter­min bestimm­te. Die Berech­nung die­ses Datums wur­de der Kir­che von Alex­an­dri­en über­tra­gen, die es allen ande­ren Kir­chen, auch dem Bischof von Rom, mit­teil­te, und zwar im soge­nann­ten Oster­fest­brief, der all­jähr­lich an Epi­pha­nie ver­öf­fent­licht wur­de.

Heu­te genügt ein Blick in den Kalen­der. Und selbst, wenn das Oster­fest nicht ver­zeich­net sein soll­te, könn­te man sich den Ter­min erschlie­ßen. Die grund­sätz­li­che Regel fin­det man nicht nur bei Wiki­pe­dia: »Oster­da­tum ist der ers­te Sonn­tag nach dem ers­ten Voll­mond im Früh­ling.« Im Jahr 2019 war der astro­no­mi­sche Früh­lings­be­ginn schon am Abend des 20. März. Bei der Regel zur Berech­nung des Oster­ter­mins gilt aber immer der 21. März als Früh­lings­an­fang – unab­hän­gig vom tat­säch­li­chen Ter­min der astro­no­mi­schen Tag- und Nacht­glei­che. Am frü­hen Mor­gen des 21. März 2019 hat­ten wir einen Voll­mond. Also müss­te am dar­auf fol­gen­den Sonn­tag, am 24. März, Ostern sein. Tat­säch­lich steht aber als Oster­da­tum der 21. April 2019 im Kalen­der, der Sonn­tag nach dem zwei­ten Früh­lings-Voll­mond am 19. April.

Wie kann das sein? Zur Berech­nung des Oster­da­tums ist nicht nur der Früh­lings­an­fang immer auf den 21. März fest­ge­legt; es wird auch nicht das tat­säch­li­che Datum der astro­no­mi­schen Voll­mond-Erschei­nung ver­wen­det. Viel­mehr wer­den die Daten aus einer zykli­schen Rei­he auf­ein­an­der fol­gen­der Voll­mond­da­ten bestimmt. (Das kom­ple­xe Sys­tem wird im Mar­ty­ro­lo­gi­um Roma­num erläu­tert.) Die so ermit­tel­ten Voll­mond­da­ten für die Oster­be­rech­nung kön­nen um einen Tag von den astro­no­mi­schen Voll­mond­da­ten abwei­chen. Für die­ses Jahr fällt die­ser »zykli­sche Voll­mond« noch auf den 20. März und gilt damit noch als Win­ter­voll­mond. Der astro­no­mi­sche Voll­mond am 21. März 2019 spielt daher kei­ne Rol­le für die Oster­be­rech­nung, son­dern erst der nächs­te Voll­mond im April.

Das klingt kom­pli­ziert und wider­spricht unse­ren Erwar­tun­gen. Des­halb wird es auch als Oster­pa­ra­do­xie bezeich­net. Wirk­lich para­dox, revo­lu­tio­när und alle Erwar­tung durch­bre­chend ist aber, was wir im Exsul­tet der Oster­nacht hören: »Dies ist die seli­ge Nacht, in der Chris­tus die Ket­ten des Todes zer­brach und aus der Tie­fe als Sie­ger empor­stieg … Die Nacht wird hell wie der Tag«. (ap)

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