297Liturgisches Jahrbuch 1/2018

Inhalt der Ausgabe 1/2018

 

Edi­to­ri­al
ZU DIESEM HEFT

Bene­dikt Kra­ne­mann (Ein­lei­tung und Redak­ti­on)
Das Refor­ma­ti­ons­ju­bi­lä­um als Impuls für eine öku­me­nisch ori­en­tier­te Lit­ur­gie­wis­sen­schaft. Die deutsch­spra­chi­ge Lit­ur­gie­wis­sen­schaft im Stu­di­en­jahr 2016/17

Andre­as Oden­thal
Reso­nanz-Raum Got­tes­dienst? Über­le­gun­gen zu einer zeit­sen­si­blen Lit­ur­gie­wis­sen­schaft im Anschluss an Hart­mut Rosa

Johan­nes Löh­lein
Die Fei­er der Kin­der­tau­fe in zwei Stu­fen. Chan­cen und Gren­zen in der Pra­xis am Bei­spiel des Pas­to­ral­ver­bun­des Egge­vor­land (Erz­bis­tum Pader­born)

Buch­be­spre­chun­gen

 


 

Editorial 1/2018: ZU DIESEM HEFT

Den neu­en Jahr­gang des Lit­ur­gi­schen Jahr­buchs eröff­net ein Rück­blick auf das ver­gan­ge­ne Jahr, das kirch­lich vor allem im Zei­chen des Refor­ma­ti­ons­ju­bi­lä­ums stand. Der übli­cher­wei­se im 4. Heft plat­zier­te Bericht über die Arbeit der deutsch­spra­chi­gen Lit­ur­gie­wis­sen­schaft infor­miert wie gewohnt über die per­so­nel­len Ver­än­de­run­gen und die wis­sen­schaft­li­chen Akti­vi­tä­ten unse­res Faches in den ver­schie­de­nen Sek­tio­nen im Stu­di­en­jahr 2016/17. Es dürf­te wohl kaum eine ande­re theo­lo­gi­sche Dis­zi­plin geben, die so kon­ti­nu­ier­lich über inzwi­schen vier­zehn Jah­re einen Ein­blick in ihre For­schungs- und Ver­mitt­lungs­ar­beit gewährt und sich der inter­es­sier­ten Öffent­lich­keit prä­sen­tiert wie die Lit­ur­gie­wis­sen­schaft. Dafür ist neben den ver­schie­de­nen Autoren aus den Sek­tio­nen vor allem dem Vor­sit­zen­den der »Arbeits­ge­mein­schaft katho­li­scher Lit­ur­gie­wis­sen­schaft­le­rin­nen und -wis­sen­schaft­ler im deut­schen Sprach­ge­biet« (AKL), Prof. Dr. Bene­dikt Kra­ne­mann (Erfurt) zu dan­ken, der seit 2004 nicht nur immer wie­der die Publi­ka­ti­on eines sol­chen Berichts anregt und nach­drück­lich betreibt, son­dern stets auch die Ein­lei­tung und Redak­ti­on über­nimmt. In die­sem Jahr macht er anläss­lich der zahl­rei­chen Tagun­gen, Aus­stel­lun­gen, Got­tes­diens­te und ande­ren Ver­an­stal­tun­gen zum Refor­ma­ti­ons­ju­bi­lä­um auf die öku­me­ni­sche Dimen­si­on der Lit­ur­gie­wis­sen­schaft auf­merk­sam. Er erin­nert an die lan­ge Tra­di­ti­on wis­sen­schaft­li­cher Bemü­hun­gen um die Lit­ur­gie in ihren ver­schie­de­nen kirch­li­chen Tra­di­tio­nen des Ostens und des Wes­tens, sieht das Refor­ma­ti­ons­ju­bi­lä­um aber vor allem als ein­dring­li­chen Impuls, in den Kir­chen die weit­hin gemein­sa­men gesell­schaft­li­chen Her­aus­for­de­run­gen der Gegen­wart für den Got­tes­dienst lit­ur­gie­wis­sen­schaft­lich zu reflek­tie­ren.
Dane­ben greift Prof. Dr. Andre­as Oden­thal, neu­er Inha­ber des Lehr­stuhls für Lit­ur­gie­wis­sen­schaft an der Katho­lisch-Theo­lo­gi­schen Fakul­tät der Uni­ver­si­tät Bonn, einen Ansatz auf, den er bereits seit vie­len Jah­ren ver­folgt, wenn er die ritu­el­le Dimen­si­on der Lit­ur­gie als »sym­bo­li­sche Erfah­rung« beschreibt. Im hier vor­lie­gen­den Bei­trag setzt er sich mit The­sen des Sozio­lo­gen Hart­mut Rosa aus­ein­an­der, die die­ser in sei­nem 2014 ver­öf­fent­lich­ten Buch »Beschleu­ni­gung und Ent­frem­dung« dar­ge­legt hat. Oden­thal ver­weist dabei auf die Not­wen­dig­keit von Reso­nan­zerfah­run­gen, die er im Got­tes­dienst aus­ge­drückt fin­det, wenn in die­sem sym­bo­li­schen Raum die Gebro­chen­heit und Vor­läu­fig­keit mensch­li­cher Exis­tenz eben­so zum Aus­druck kom­men wie die heil­sa­men Erfah­run­gen von Glau­be und Hoff­nung.
Der drit­te Bei­trag schließ­lich geht auf die Inno­va­ti­on des deutsch­spra­chi­gen Kin­der­t­auf­ri­tua­les (2007) ein, das die Fei­er der Kin­der­tau­fe in zwei Stu­fen ermög­licht. Dabei liegt zwi­schen der »Fei­er der Eröff­nung des Weges zur Tau­fe« und der »Fei­er der Tau­fe« eine län­ge­re Zeit, die für eine ent­fal­te­te Eltern­ka­te­che­se und inten­si­ve­re Tauf­vor­be­rei­tung zur Ver­fü­gung steht.1 Die­ses Modell ver­sucht im Sin­ne einer dif­fe­ren­zier­ten Tauf­pas­to­ral die unter­schied­li­chen Lebens- und Glau­bens­si­tua­tio­nen der Eltern ernst zu neh­men und dar­auf ange­mes­sen zu reagie­ren. Zu Recht hat man bei der Ein­füh­rung des neu­en Lit­ur­gie­buchs auf die­se pas­to­ral­lit­ur­gisch beacht­li­che Neue­rung hin­ge­wie­sen und gewünscht, die mit die­sem Modell gemach­ten Erfah­run­gen zu sam­meln und zu eva­lu­ie­ren. Am Bei­spiel des Pas­to­ral­ver­bun­des Egge­vor­land im Erz­bis­tum Pader­born, wo die Fei­er der Kin­der­tau­fe in zwei Stu­fen bereits seit eini­ger Zeit prak­ti­ziert wird, hat Johan­nes Löh­lein, im Rah­men einer wis­sen­schaft­li­chen Arbeit, die am Lehr­stuhl für Lit­ur­gie­wis­sen­schaft der Katho­li­schen Uni­ver­si­tät Eich­stätt-Ingol­stadt ver­fasst wur­de, Chan­cen und Gren­zen des Modells reflek­tiert. Sei­ne Beob­ach­tun­gen sind hier sum­ma­risch zusam­men­ge­fasst.

 

1 Vgl. Die Fei­er der Kin­der­tau­fe in den Bis­tü­mern des deut­schen Sprach­ge­bie­tes. Zwei­te authen­ti­sche Aus­ga­be auf Grund­la­ge der Edi­tio typi­ca alte­ra 1973, Freiburg/Br. [u. a.] 2007, 141–175; Die Fei­er der Kin­der­tau­fe. Pas­to­ra­le Ein­füh­rung, hg. v. Sekre­ta­ri­at der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz (Arbeits­hil­fen 220), Bonn, 2., verb. Auf­la­ge 2009, 12 f. (Nr. 16), 20 f. (Nr. 35–38).

 

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