Zeitschrift Gottesdienst

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In sei­ner ers­ten Enzy­kli­ka, Magni­fi­ca huma­ni­tas, ver­weist Papst Leo XIV. mehr­fach auf die Eucha­ris­tie als „per­sön­lichs­te Begeg­nung mit dem Herrn“, die zugleich „nie bloß ein Akt indi­vi­du­el­ler Fröm­mig­keit“ sei. Lit­ur­gie erscheint damit nicht als Rück­zug aus den Her­aus­for­de­run­gen der Gegen­wart, son­dern als Ort, an dem christ­li­che Gemein­schaft über­haupt erst ent­steht und ein­ge­übt wird. +

In den letz­ten Wochen konn­te man von einer gro­ßen Zahl Jugend­li­cher und Erwach­se­ner lesen, die in den fran­zö­si­schen Diö­ze­sen am Oster­fest in die Kir­che ein­ge­glie­dert wur­den. In den deutsch­spra­chi­gen Län­dern ist die Zahl der Erwach­se­nen­tau­fen noch eher gering, auch wenn sie an man­chen Orten steigt. Ob sich eine ähn­li­che Ent­wick­lung auch bei uns ein­mal zei­gen wird? Wären wir dafür bereit? +

Die Bezeich­nun­gen „Lai­en­hos­ti­en“ für die klei­nen und „Pries­ter­hos­ti­en“ für grö­ße­re Hos­ti­en mar­kie­ren eine Dif­fe­renz zwi­schen Pries­tern und Lai­en an gera­de jener Stel­le, wo es um das eine Brot, den einen Leib Jesu Chris­ti geht, der die Ein­heit der Kir­che zum Aus­druck bringt. Da es hier aber gar nicht um den Unter­schied zwi­schen Pries­ter und Lai­en geht, ver­ges­sen wir am bes­ten die miss­ver­ständ­li­chen Bezeichnungen. +

Ent­spre­chend groß war die Ent­täu­schung man­cher, als Papst Leo XIV. am Grün­don­ners­tag in die­sem Jahr zur tra­di­tio­nel­len Pra­xis zurück­kehr­te und zwölf Pries­tern die Füße wusch. Schnell fiel das Wort Kle­ri­ka­lis­mus. Doch so ein­fach ist es nicht! +

Wer einen lit­ur­gi­schen Text vor­trägt und ihn dabei in Hän­den hält, hat immer einen Wis­sens- und Ver­ständ­nis­vor­sprung. Die Gemein­de dage­gen hat nur den einen Moment des Hörens – kei­ne zwei­te Chan­ce, kein Zurück­blät­tern, kei­ne Fuß­no­te. Sie ist dar­auf ange­wie­sen, dass nicht nur abge­le­sen, son­dern gut gespro­chen wird. +

Wenn wenn die Nicht-Teil­nah­me an lit­ur­gi­schen Fei­ern der ers­te Punkt ist, an dem sich Distanz zur Reli­gi­on zeigt, dann kommt der Lit­ur­gie­ge­stal­tung eine beson­de­re Bedeu­tung zu. Denn in einer plu­ra­len Gesell­schaft ste­hen kirch­li­che Fei­ern längst nicht mehr allein: Auch Freie Ritualanbieter/innen haben Kon­junk­tur, weil sie auf pro­fes­sio­nel­lem Niveau Ori­en­tie­rung, Gemein­schaft und sym­bo­li­sche Aus­drucks­for­men bieten. +

Wenn Jugend­li­che gezielt das Aschen­kreuz suchen, jun­ge Erwach­se­ne ein neu­es Inter­es­se für die Sakra­men­te ent­wi­ckeln und Got­tes­diens­te an beson­de­ren Fest­ta­gen auf wach­sen­des Inter­es­se sto­ßen, muss man fra­gen: Was genau zieht die­se Men­schen heu­te in die Lit­ur­gie – und wel­che Ver­ant­wor­tung erwächst dar­aus für ihre Gestal­tung? Wenn das wach­sen­de Inter­es­se an Tau­fe und öster­li­cher Lit­ur­gie anhält, soll­te dies Anlass sein, die sym­bo­li­sche Dimen­si­on der Lit­ur­gie neu ernst zu neh­men und ihre Zeichen(-handlungen) ver­ant­wor­tungs­voll zu gestalten. +

Der Aschen­ri­tus gehört mitt­ler­wei­le nicht nur zur lit­ur­gi­schen Pra­xis des Ascher­mitt­wochs, son­dern auch des Ers­ten Fas­ten­sonn­tags. Dadurch ver­liert die­ser Tag an Pro­fil. Zugleich wird der Ers­te Fas­ten­sonn­tag, der ein eige­nes Gesicht hat, mit einer Sym­bo­lik über­frach­tet, die ursprüng­lich nicht die sei­ne ist. +

Es ist schon bemer­kens­wert, wenn eine Diö­ze­se und ein öffent­lich-recht­li­cher Sen­der ein­räu­men, dass bei einer Got­tes­dienstüber­tra­gung aus ihrem Ver­ant­wor­tungs­be­reich durch eine Kunst­per­for­mance als Krip­pen­dar­stel­lung bei vie­len Men­schen reli­giö­se Gefüh­le ver­letzt wor­den sei­en. Bei allem Ver­ständ­nis für das Anlie­gen einer men­schen­na­hen Fei­er fra­ge ich mich: Wie kann es zu einem so eigen­mäch­ti­gen Umgang mit den vor­ge­se­he­nen Gebets­tex­ten, der lit­ur­gi­schen Ord­nung und der Rol­len­ver­tei­lung kom­men, und dies an einer so pro­mi­nen­ten Stel­le wie der bun­des­weit über­tra­ge­nen Christmette? +

„Groß­scha­dens­er­eig­nis­se“ stel­len Kir­chen­ge­mein­den vor Ort immer wie­der vor gewal­ti­ge Her­aus­for­de­run­gen – auch bei der Gestal­tung von Gedenk­got­tes­diens­ten und Trau­er­fei­ern. Denn Kata­stro­phen tref­fen nicht nur direkt Betei­lig­te, son­dern gan­ze Lebens­zu­sam­men­hän­ge. Hier sei die von der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz her­aus­ge­ge­be­ne Arbeits­hil­fe „Trau­er­fei­ern und Got­tes­diens­te nach Kata­stro­phen“ (Arbeits­hil­fen Nr. 317) ans Herz gelegt. +

Im Blick auf die lit­ur­gi­sche Bil­dung schei­nen deren Her­aus­for­de­run­gen in den Orts­kir­chen recht ähn­lich zu sein. Bei dem Kurs für diö­ze­sa­ne Lit­ur­gie­be­auf­trag­te im Rom zeig­ten sich einer­seits deut­li­che Unter­schie­de, ande­rer­seits uner­war­te­te Gemein­sam­kei­ten zwi­schen den Teil­kir­chen: Wäh­rend in Ita­li­en und Spa­ni­en die tra­di­tio­nel­le Volks­fröm­mig­keit noch recht stark ver­wur­zelt zu sein scheint, ähnelt die Situa­ti­on der Ver­ant­wor­tungs­über­nah­me durch Lai­en in Bra­si­li­en der uns­ri­gen und die Fra­gen im Blick auf die Fei­er von öku­me­ni­schen Got­tes­diens­ten glei­chen denen der Katho­li­ken in Südafrika. +

Mit dem Erschei­nen des letz­ten Ban­des liegt das neue Lek­tio­nar nun voll­stän­dig vor – ein Mei­len­stein, der leicht über­se­hen wer­den könn­te in einer Zeit, in der die Tech­nik vie­le Berei­che unse­res All­tags erobert hat. Das Lek­tio­nar lädt dazu ein, das Wort Got­tes immer wie­der neu als das zu ent­de­cken, was es ist: ein leben­di­ger Schatz, der nicht nur gehört, son­dern auch in sei­ner phy­si­schen Gestalt gese­hen und geehrt wer­den will. +

DEUTSCHES LITURGISCHES INSTITUT
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