295Liturgisches Jahrbuch 2/2018

Inhalt der Ausgabe 2/2018

 

Edi­to­ri­al
HEILIGER GEIST, ÖKUMENE ODER MARIA?

Klaus Peter Dan­ne­cker und Mela­nie Wald-Fuhr­mann
Wir­kungs­äs­the­tik: Ein neu­er Ansatz für eine trans­dis­zi­pli­nä­re empi­ri­sche Lit­ur­gie­for­schung

Tho­mas Neu­mann
Recht und Ritu­al. Eine kano­nis­ti­sche Annä­he­rung an den nor­ma­ti­ven Cha­rak­ter der Lit­ur­gie

August Lau­mer
Karl Rah­ner und die Lit­ur­gie­wis­sen­schaft

Buch­be­spre­chun­gen

 

 


 

Editorial 2/2018: HEILIGER GEIST, ÖKUMENE ODER MARIA?

In der Fei­er des Pfingst­mon­tags ist eini­ges in Bewe­gung gera­ten. Schon seit län­ge­rem gilt die­ser in Deutsch­land, in Öster­reich und teil­wei­se in der Schweiz staat­lich geschütz­te Fei­er­tag als eine will­kom­me­ne Gele­gen­heit für öku­me­ni­sche Got­tes­diens­te. Die pfingst­li­che Bit­te um den Hei­li­gen Geist und um die Ein­heit im Glau­ben erscheint denn auch mehr als drän­gend – ein Jahr nach dem Refor­ma­ti­ons­ju­bi­lä­um und mit­ten in den Dis­kus­sio­nen um die beding­te Zulas­sung nicht­ka­tho­li­scher Ehe­part­ner zum Kom­mu­nion­emp­fang. Tat­säch­lich erhal­ten Jahr für Jahr die Gene­ral­vi­ka­ria­te und Ordi­na­ria­te zahl­rei­che Anfra­gen aus den Gemein­den, die um eine Son­der­er­laub­nis bit­ten, am Vor­mit­tag des Pfingst­mon­tags öku­me­nisch Got­tes­dienst zu fei­ern. Dies zeigt bereits, wie ver­brei­tet die­se Pra­xis in den Bis­tü­mern ist.
Nun hat die Kon­gre­ga­ti­on für den Got­tes­dienst und die Sakra­men­ten­ord­nung am 11. Febru­ar 2018 ein Dekret ver­öf­fent­licht, das die lit­ur­gi­sche Fei­er der seli­gen Jung­frau Maria als Mut­ter der Kir­che in den Rang eines gebo­te­nen Gedenk­tags in den Römi­schen Gene­ral­ka­len­der ein­führt und die Fei­er auf den Mon­tag nach Pfings­ten fest­legt. Bekannt­lich ist außer­halb des deutsch­spra­chi­gen Rau­mes die­ser Tag ein nor­ma­ler Arbeits­tag und lit­ur­gisch beginnt mit ihm, nach Abschluss der Pen­te­kos­te, die »Zeit im Jah­res­kreis«. Für das Stun­den­ge­bet gilt dies auch hier­zu­lan­de. Aller­dings ist für die Fei­er der Gemein­de­mes­se das Mess­for­mu­lar vom Pfingst­mon­tag bzw. die Votiv­mes­se vom Hei­li­gen Geist zu neh­men. Pfings­ten klingt also in der Mess­fei­er noch nach, auch was die Erfül­lung der Sonn­tags­pflicht betrifft. Durch die Ein­füh­rung des neu­en gebo­te­nen Mari­en­ge­denk­tags tref­fen damit in der Gemein­de­lit­ur­gie ver­schie­de­ne Moti­ve auf­ein­an­der: Pfings­ten, Öku­me­ne, Maria. Um die ent­stan­de­nen Unsi­cher­hei­ten zu klä­ren, stell­te die Kon­gre­ga­ti­on in einer Noti­fi­ka­ti­on fest, dass für Deutsch­land die bis­he­ri­ge lit­ur­gi­sche Ord­nung durch die Ein­füh­rung des neu­en Gedenk­tags nicht abge­schafft wird und wei­ter­hin bestehen bleibt.
Da eine Ver­le­gung des Gedenk­tags in der Noti­fi­ka­ti­on nicht vor­ge­se­hen ist, hat sich die Deut­sche Bischofs­kon­fe­renz zunächst ent­schie­den, vor­läu­fig eine prag­ma­ti­sche Lösung zu favo­ri­sie­ren. Sie ver­weist auf die Mög­lich­keit, je nach pas­to­ra­ler Situa­ti­on an einem der Wochen­ta­ge in der Woche nach Pfings­ten die im Mess­buch ver­zeich­ne­te Votiv­mes­se »Maria, Mut­ter der Kir­che« zu fei­ern, vor­aus­ge­setzt, dass der ent­spre­chen­de Wochen­tag nicht bereits durch einen gebo­te­nen Gedenk­tag oder eine Fei­er höhe­ren Fest­ran­ges belegt ist. Damit ist aller­dings noch kei­ne abschlie­ßen­de Klä­rung in der Sache erfolgt. Die deut­schen Bischö­fe wer­den also fest­zu­le­gen haben, wie sie mit dem neu­en Gedenk­tag des Gene­ral­ka­len­ders umzu­ge­hen beab­sich­ti­gen. In die­sem Zuge wird die Fra­ge erneut zu dis­ku­tie­ren sein, ob man nicht auch in Deutsch­land der welt­kirch­li­chen Rege­lung folgt und – trotz des bestehen­den gesetz­li­chen Fei­er­ta­ges – mit dem Pfingst­mon­tag in Mes­se und Stun­den­ge­bet die »Zeit im Jah­res­kreis« beginnt. Dabei wäre die par­ti­ku­lar­recht­li­che Norm der Sonn­tags­pflicht für den Pfingst­mon­tag zu überdenken. Auf die­se Wei­se lie­ße sich eine ein­deu­ti­ge Rechts­si­cher­heit und ein­heit­li­che Rege­lung für die zahl­rei­chen öku­me­ni­schen Fei­ern an die­sem Tag her­stel­len. Denn fak­tisch ist die Sonn­tags­pflicht durch die vie­len Dis­pen­se der Bis­tums­lei­tun­gen und durch die gele­gent­lich auch ohne ober­hirt­li­che Erlaub­nis gefei­er­ten öku­me­ni­schen Got­tes­diens­te längst »durch­lö­chert«. Viel­leicht ist der neue Gedenk­tag ein Anlass, um zu einer lit­ur­gi­schen Ord­nung für den Pfingst­mon­tag zu kom­men, die den gewan­del­ten Bedin­gun­gen die­ses Tages und den pas­to­ra­len Bedürf­nis­sen Rech­nung trägt.

 

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