»Dieser Tag ist Christus eigen«
(GL 103)

Wor­te: Peter Ger­loff (geb. 1957); Musik: Gil­bert König (1909–1977)

 

Liedportrait von Meinrad Walter

Got­tes­dienst ist „Unter­bre­chung“ des All­tags und Hören auf Got­tes Melo­die. Der Sonn­tag ist der „Tag der Tage“, an dem wir uns dar­an erin­nern, dass Gott das Zen­trum ist. Eine Theo­lo­gie des Sonn­tags kann bei der Schöp­fungs­ge­schich­te im Alten Tes­ta­ment anset­zen: „Gott sah alles an, was er gemacht hat­te. Es war sehr gut. Er ruh­te am sieb­ten Tag, nach­dem er sein gan­zes Werk voll­bracht hat­te. Und Gott seg­ne­te den sieb­ten Tag und erklär­te ihn für hei­lig.“ (Gene­sis 1,31a; 2,2b-3a).

 War­um aber ist die­ser Tag „Chris­tus eigen“? Weil er nicht nur der Tag der Schöp­fung, son­dern auch der Tag der Erlö­sung ist. Genau hier setzt das Lied an, beim Tag der Auf­er­ste­hung. Jeder Sonn­tag will an den Oster­mor­gen erin­nern, der „die Todes­nacht durch­bricht“. Wir lesen davon im Buch der Bibel, nun im Neu­en Tes­ta­ment. Die ers­te Stro­phe die­ses Lie­des liest aber auch im „Buch der Natur“, denn sogar das „Mor­gen­licht“ bezeugt Got­tes Wal­ten. Ins­ge­samt bedenkt und besingt die ers­te Stro­phe die Her­kunft des Sonn­tags aus dem Ereig­nis der Auf­er­ste­hung Chris­ti.

Die zwei­te Stro­phe nennt die Gegen­wart. Wir sind mit­ten in der Fei­er und erin­nern uns an Chris­ti Leid und Auf­er­ste­hung. Sein „Gedächt­nis“ fei­ern wir, weil er es so gewollt hat: „Tut dies zu mei­nem Gedächt­nis“. Dabei wird unse­re Gegen­wart auch zur Gegen­wart Chris­ti, denn er geht „mensch­lich“ mit uns: im mensch­ge­wor­de­nen Sohn Got­tes, aber auch in den Mit­men­schen.

 Um Zukunft und Voll­endung geht es in der drit­ten Stro­phe. Der Sonn­tag ist ein Segen! Aber wir blei­ben oft­mals hin­ter sei­ner Ver­hei­ßung zurück in „Müh­sal, Leid und Pla­ge“. Den­noch ist die Ver­hei­ßung uni­ver­sal, der gan­zen Welt zuge­spro­chen. Nicht nur eini­ge weni­ge dür­fen aus­ru­hen, weil ande­re für sie arbei­ten, selbst am Sonn­tag. Die sonn­täg­li­che Hoff­nung heißt, „dass für alle Sonn­tag wird“.

Der Ver­fas­ser ist Peter Ger­loff, Autor sehr vie­ler Lied­tex­te. In die­sem Lied geht er einen poe­tisch-theo­lo­gi­schen Sonn­tags­spa­zier­gang: vom Son­nen­auf­gang in Got­tes Natur (Stro­phe 1) über die Fei­er der Erlö­sung in Kir­che und Got­tes­dienst (Stro­phe 2) bis zur nicht immer sonn­täg­li­chen Welt, die der Geist durch­drin­gen und erneu­ern will (Stro­phe 3).

 Der vier­zei­li­gen Melo­die im weit­räu­mi­gen 6/4-Takt eig­net ein hym­ni­scher Fluss. Der ers­te Takt jeder Phra­se ist gleich gebaut, aller­dings wech­selt die Ton­hö­he: die ers­te Zei­le fes­tigt die Grund­ton­art F-Dur, die zwei­te steht eine Terz tie­fer, die drit­te dann eine Terz höher als der Beginn, und die vier­te Zei­le kehrt mit einer leich­ten Varia­ti­on wie­der zur ers­ten zurück. Ähn­lich geschickt ist das Ende jeder Zei­le kom­po­niert: die ers­te schafft eine gute Ver­bin­dung zur zwei­ten; nach Zei­le 2 gibt es eine Zäsur auf der Domi­nan­te, wohin­ge­gen der Über­gang von 3 nach 4 den Grund­drei­klang beschreibt. Nur eine Zei­le aber kommt auf dem Grund­ton zur Ruhe, näm­lich die letz­te.

So ein­fach sind gute Lie­der! Ursprüng­lich ist die um 1939 ent­stan­de­ne Melo­die mit dem Grüss­au­er Mari­en­lied „Sei gegrüßt, du Gna­den­rei­che“ ver­bun­den, des­sen Text von Georg Thur­mair stammt. Gil­bert König, der Kom­po­nist der Melo­die, war Bene­dik­ti­ner­mönch im Klos­ter Grüss­au und spä­ter Pfar­rer der Gemein­de Hei­lig Kreuz in Bad Wimp­fen sowie Orga­nist und Kan­tor der Abtei Wimp­fen im Tal.

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