60Geschichte des Gesangbuchs
im deutschen Sprachraum

Gesang- und Gebet­bü­cher haben im deut­schen Sprach­raum eine lan­ge Tra­di­ti­on, die mit der Refor­ma­ti­on begann. Um der refor­ma­to­ri­schen Bewe­gung, die durch deut­sche Gesän­ge und Lie­der vie­le Men­schen anzog, ent­ge­gen­zu­wir­ken, ließ der Hal­ler Domi­ni­ka­ner und Propst Micha­el Vehe 1537 ein katho­li­sches Gesang­buch dru­cken. Eine grö­ße­re Bedeu­tung erfuhr aber erst das Gesang­buch des Baut­zener Stifts­de­kans Johann Lei­sen­trit von 1567, das vie­len spä­te­ren Gesang­bü­chern als Quel­le und Vor­bild dien­te. Zwar leg­te das Kon­zil von Tri­ent (1545–1563) für die Mess­fei­er wei­ter­hin die latei­ni­sche Spra­che fest, doch wur­den als­bald auch deut­sche Kir­chen­lie­der als Beglei­tung des Got­tes­diens­tes Brauch.

Der Jesui­ten­or­den war es schließ­lich, der zur För­de­rung der Glau­bens­un­ter­wei­sung in der Gegen­re­for­ma­ti­on zahl­rei­che Gesang­bü­cher her­aus­gab, denen in der Barock­zeit „typisch katho­li­sche“ Bücher mit vie­len Fron­leich­nams-, Mari­en- und Hei­li­gen­lie­dern folg­ten. Einer der bedeu­tends­ten Kir­chen­lied­dich­ter jener Zeit war der Jesu­it und Vor­kämp­fer gegen die Hexen­pro­zes­se Fried­rich Spee von Lan­gen­feld (1591–1635).

Nach­dem es zunächst katho­li­sche Ver­le­ger gewe­sen waren, die Gesang­bü­cher in gro­ßer Viel­falt her­aus­brach­ten, erschie­nen seit Beginn des 17. Jahr­hun­derts mehr und mehr Lied­bü­cher, die von den Bischö­fen für ihre jewei­li­ge Diö­ze­se auto­ri­siert waren. Ab der Mit­te des 18. Jahr­hun­derts ent­stan­den vie­le neue volks­sprach­li­che Kir­chen­lie­der, die sich auch in einer Fül­le von Gebet­bü­chern nie­der­schlu­gen. Deut­sche Lie­der setz­ten sich als Beglei­tung zur latei­ni­schen Mes­se durch.

Die gro­ße Zeit der vom jewei­li­gen Orts­bi­schof geneh­mig­ten und vor­ge­schrie­be­nen Gesang­bü­cher brach indes erst im 19. Jahr­hun­dert an. „Sie stärk­ten den Zusam­men­halt der Orts­kir­chen und för­der­ten ein­heit­li­che diö­ze­sa­ne Gesangs- und Gebets­tra­di­tio­nen“, erläu­tert Prof. Andre­as Heinz, Trier. In die­ser Zeit tauch­te auch die Idee eines Ein­heits­ge­sang­bu­ches auf, mit einem Stamm von Kir­chen­lie­dern, die von allen deutsch­spra­chi­gen Katho­li­ken gemein­sam gesun­gen wer­den konn­ten. Es wur­den zwar in der Fol­ge­zeit Ein­heits­lie­der in die Diö­ze­san­ge­sang­bü­cher über­nom­men, doch schei­ter­te der Plan eines wirk­li­chen Ein­heits­ge­sang­bu­ches nach dem Zwei­ten Welt­krieg noch, weil die meis­ten Bis­tü­mer ihre eige­nen Gesang­bü­cher nicht auf­ge­ben woll­ten. Erst 1963, nach dem Beginn des Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zils, fass­ten die deut­schen Bischö­fe den Beschluss, ein gemein­sa­mes Gesang- und Gebet­buch für alle deut­schen Diö­ze­sen erar­bei­ten zu las­sen, ein Pro­jekt, dem sich 1966 Öster­reich anschloss. Das Ergeb­nis war das bis 2012 allent­hal­ben im Gebrauch befind­li­che Got­tes­lob von 1975, wel­ches, so Lit­ur­gie­wis­sen­schaft­ler Heinz, „über­diö­ze­sa­ne Ein­heit mit regio­na­ler Viel­falt“ ver­bin­de. 2012 erschien sein Nach­fol­ger und heißt wei­ter­hin Got­tes­lob.

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